Chemtrailer Park - AFOCH

Geschrieben von Marius Joa am . Veröffentlicht in Musik-Check

Chemtrailer Park - AFOCH

Knapp zwei Jahre nachdem ich Chemtrailerpark im apokalyptischen Frühsommer 2018 live erlebt hatte hielt ich die erste Veröffentlichung der Band, bestehend aus Sunken Salokin (Gitarre, Gesang), Trailing Tyler (Bass) und Cutting-Edge Edgar (Schlagzeug, Gesang), in den Händen. Mit AFOCH (erschienen im Dezember 2019 und erhältlich über Bandcamp) legt das Trio aus Freiburg im Breisgau leider kein komplettes Album, sondern "nur" eine EP vor. Der Name beinhaltet je einen Buchstaben aus den Titeln der 5 Songs: Have you ever wAlked on water / With scorched Feet and whys / ThrOugh the sewers / Beyond speCtral ties / Trailing tHe skies.

Schon das surreale, bunte und zugleich düstere CD-Artwork (von Drummer Edgar) hat es in sich. Das Cover des kermitderfroschgrünen Digipaks ziert neben dem Bandnamen eine Kirche, mit einem blutigen Fischkopf an der Turmspitze. Dazu im Inneren eine Heiligenstatue mit Sauerstofflasche auf dem Rücken und ein Fass mit giftgrüner Flüssigkeit inmitten einer Gebirgskette. Auf der Rückseite, ein umgedrehtes Flugzeug, allerdings mit kaum sichtbaren Chemtrails. Die muss man sich deutlicher dazudenken.

Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass CTP sich selbst und ihre Musik nicht total ernstnehmen. 'Have you ever walked on water' beginnt vergleichsweise harmlos, mit fast sanften Gitarrensounds bevor die Band richtig einsteigt. Der teils sehr melodische Gesang von Sunken Salokin offeriert hier ein Spiel mit religiösen, mythologischen und urbanen Schwimm-und-Tauch-Erlebnissen zwischen Jonas, Jesus und Odysseus ("Have you ever walked on water? Strolled the seven seas? Have you ever felt the waves carry your majesty?"). 'With scorched feet and whys' liefert ein genau dreiminütiges, psychedelisches Instrumentalfeuerwerk, vermutlich fast bis zu üblen Blessuren (oder gar Versengungen) der Bandmitglieder. In 'Through the sewers' ergießt sich fast jeder erdenklicher flüssiger Unrat im wörtlichen und übertragenen Sinn auf den Hörer, dazu vollführt die Gitarre zu Beginn lustige Effektspielchen, als ob hier heimlich noch ein kleiner Keyboard-Kobold seine dürren Fingerchen im Spiel hätte. Ab der Mitte verschwindet der zackige Rhythmus, um im letzten Drittel als Dampfhammer-Beat zurückzukehren und ein wahres Metall-Inferno zu entzünden. Was für ein intensiver Acid-Rain-Trip! 'Beyond spectral ties' fungiert als instrumentales Chillout-Intermezzo. Begleitet von Vögelgezwitscher ziehen sie nicht nur sanfte, entspannte Saiten auf, auch Cutting-Edge Edgar trägt Wollhandschuhe. Bei 'Trailing the skies' darf der Drummer groß aufspielen. Wenn er nicht gerade Gurr-, Raunz- und Zischlaute oder finsteres Gelächter von sich gibt, so reißt der hochgewachsene Edgar im zweiten Teil den Gesangspart an sich, krächzt/brüllt wie ein Berserker, der seinen Rachen mit Drachenblut geputzt hat, Das große Finale als apokalyptische Flugreise an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, Himmel und Hölle, mit der Todesgöttin als Drachenkönigin, der man unweigerlich folgen muss ("The whitest, longest, sharpest trail I have ever seen emerges from the tail of a great dragon queen. A trail I just have to follow..."). Kein Wunder bei dem echszellenten Aussehen mit "starry eyes", "delicate clouding hair", "weary waist and thunder thighs"! Herrlich diese überzeichnete Bildsprache und die Tongue-in-Cheek-Theatralik. Da wünscht man sich doch glatt einen Kontinentalflug dieser düsteren Metal-Airline.

 Jeden ersten Freitag im Monat erhebt BandCamp keine Gebühren. Es dient der Unterstützung der Künstler während der Pandemie. Nächste Chance auf den Bandcamp Freitag ist der  7. August, 2020  https://daily.bandcamp.com/features/update-on-bandcamp-fridays

Stimmungsvoller Psychedelic Metal-Murks wartet auf deine Ohren, in schickem Karton und Plastik, oder digitalitär:
Chemtrailerpark—AFOCH www.chemtrailerpark.de https://chemtrailerpark.bandcamp.com