So fetzig war das HIGHFIELD 2019 - Unser Rückblick auf das lange Festivalwochenende auf der Magdeborner Halbinsel

Geschrieben von Beatrice Seiche am . Veröffentlicht in Photoreports 2019

HIGHFIELD FESTIVAL 2019 - Foto Jörg Seiche

Wenn der Störmthaler See von zahllosen Musikbegeisterten belagert wird, dann ist es wieder Zeit für das Highfield Festival. Vom 16.-18.08.2019 war es wieder einmal soweit und wir waren für euch dabei. DRANGSAL ++ CRO ++ THIRTY SECONDS TO MARS ++ THE OFFSPRING ++ STEVE AOKI ++ FETTES BROT und zahlreiche weitere Acts lockten ins Neuseenland Leipzig - zur 22. Ausgabe des HIGHFIELD-Festival

16.08. - 18.08.2019 am Störmthaler See bei Großpößna

Fotos: Jörg Seiche

Freitag
Gerade auf dem Gelände angekommen betraten die Düsseldorfer Punkrocker von Rogers die Green Stage. „Wir freuen uns, mit euch das Festival zu eröffnen.“ Impressionen vom HIGHFIELD-Freitag Foto Jörg SeicheUnd schon ging es mit „Mittelfinger für immer“ in die Vollen. Vor der Bühne war es schon voll und es bildete sich der erste Moshpit des Festivals – da war echt Energie im Spiel! Es wurde mitgeklatscht und gefeiert – alle freuten sich, dass es endlich losging. „Ich seh nur coole Leute“, so Frontmann Chri. Nach „Zu spät“ folgte ein Stück, in dem über Menschen gesungen wurde, die eigentlich gar nicht so gemocht werden – gemeint war natürlich „Geh mir nicht mehr auf die Eier“. Der wilde Punksound schüttelte den Alltag von uns allen und so kam Festivalfeeling auf. Mit einem Dank an die Fans, „dass sie kleine Bands unterstützen“, sorgte die Formation für großen Jubel. Das war doch mal ein guter Beginn.

Auf der Blue Stage war nun mein erstes Highlight an der Reihe – mag ich Drangsal doch schon seit Langem. Mit einer Sirene wurden die Fans herbeigerufen und dann kamen die Musiker und Sänger Max beim Intro nach vorn. „Hallo“, so die knappe Begrüßung. Der mehrstimmige Gesang war von Anfang an super und die Fans tobten und tanzten nur so drauf los. Mit vier Gitarren zauberten die Herren einen absolut satten Sound – cool! Max sah in seinen rosa Klamotten und mit den blonden Haaren zwar etwas ungewohnt aus, aber seine Stimme machte alles wett. Die Rhythmuswechsel in den Stücken waren toll und die Trompete kam gut an. Hits wie „Will ich nur dich“, „Ingrimm“ oder auch „Sirenen“ wurden laut mitgesungen, was Max gefiel. Weil der Boden so trocken war, schwebte schnell eine Staubwolke über dem Publikum. Ein Kracher folgte dem nächsten und der Sänger bekam einen Extrabeifall, da er doch trotz einem „Kapselriss im Zeigefinger“ tapfer Gitarre für uns spielte – „sehr freundlich“. Zu „Allan Align“, das er dem Stripper Jeremy widmete, wurde ausgelassen getanzt und am Ende der Show wurde aus allen Kehlen das Klaus Lage-Cover „1000 und 1 Nacht“ mitgegrölt.Drangsal - Highfield 2019 - Foto Jörg Seiche Es hätte nicht besser sein können und ich freu mich schon auf den nächsten Gig des Ausnahmekünstlers.
Währenddessen spielten Montreal, die Punkmusiker aus Hamburg, bereits schon und ich hörte das Clemens von Steinwolke-Cover „Katharine, Katharine“, das aus allen Kehlen mitgesungen wurde. Außerdem wurde laut mitgeklatscht, so dass die Musik kaum noch zu hören war – Wahnsinn! Zu den Songs wurde wild gepogt – in den ersten Reihen ging es echt wild zu. Zum Glück gab es keine Verletzten. Als „Endlich wieder Discozeit“ angestimmt wurde, flog an mehreren Stellen im Publikum Konfetti in die Luft – und das nicht zum letzten Mal an diesem Festivalwochenende.
Die Herren von Muff Potter waren motiviert und kamen gut gelaunt auf die Bühne. Seit 1993 machen sie gemeinsam Musik und an diesem Tag waren sie überwältigt, dass sich soviele Fans vor der Stage eingefunden hatten: „Wenn irgendwas gut ist, dann das hier“, so die Textzeile im Stück „Wenn, dann das hier“. Damit hatten sie den Nagel auf den Kopf getroffen, denn die Stimmung hätte kaum besser sein können. Vom ersten Ton an wurde mitgerockt. Frontmann Nagel verausgabte sich sehr und verkündete, dass all ihre Tracks Protestsongs seien. Sie sangen „für die freie Liebe“ und forderten alle Anwesenden auf, bei den anstehenden Landtagswahlen gegen die AFD zu stimmen, was ihm viel Jubel einbrachte. „Auf der Bordsteinkante (nachts um halb eins)“ wurde mitgegrölt und alle sprangen im Takt der Musik auf und ab, was die Staubwolke noch vergrößerte. So geht Party!
Weiter ging es mit Punkrock– Pennywise „from South California“ waren an der Reihe. Sänger Jim verkündete: „It’s time to party.“ Gesagt, getan, denn die Herren an den Gitarren legten sich mächtig ins Zeug.Pennywise Highfield 2019 Foto Jörg Seiche Die treibenden Beats von „My own country“ sorgten wieder einmal für einen Moshpit. Sowohl die Musiker als auch die Zuschauer sprangen im Takt auf und ab, was echt toll aussah. Nach „Same old story“ gaben sie noch einmal etwas mehr Gas und coverten einen Klassiker von Nirvana. Der Gig war so energiegeladen und die Jungs ließen ihrem Publikum kaum eine Verschnaufpause. Das war auch gar nicht nötig, denn noch hatten sie alle Kraft und so wurde zu „Stand by me“ auch lauthals mitgesungen. Die Musiker waren zufrieden!
Mit Faber gab es dann auf der Blue Stage einen Singer-Songwriter zu erleben. Die Züricher, die mit Posaune, Gitarre, Schlagzeug und Bass angereist waren, legten gut gelaunt los. Bei „Jung und dumm“ beeindruckte der Sänger mit seiner rauen Stimme – die er nur wegen einer Erkältung hatte - und vor der Stage wurde es nach und nach immer voller. Es schien also zu gefallen.Über das Gelände flogen während des Gigs mehrere Heißluftballons, denen aus den Massen gewinkt wurde. Mit einem Rhythmus, der mich an Ska erinnerte, sorgten die Musiker bei Tracks wie „Es könnte schöner sein“ oder „Bratislava“ für großartige Stimmung.
Von der Schweiz ging es musikalisch in den hohen Norden nach Schweden – Royal Republic enterten die Green Stage. Das Quartett kam adrett gekleidet mit Jacketts hervor und rockte mit „Fireman & Dancer“ drauf los. Die Arme waren schnell oben im Publikum, denn die rockigen Klänge gingen ins Tanzbein. Bei „Can’t fight the Disco“ sang sogar Drummer Per mit, während Frontmann Adam immer wieder auf den Steg an der Bühne an den vordersten Rand trat, um ganz nah bei seinen Fans zu sein. Den letzten Ton von „Under Cover“ hielt Adam besonders lang, was ihm einen Szenenapplaus einbrachte – sehr beeindruckend. Die LED-Wand hinter den Jungs leuchtete in Gelb und Rot – passend zu den Outfits der Musiker. Und in einem ihrer Stücke versteckte sich sogar ein Metallica-Cover – ich glaubte doch tatsächlich „Battery“ zu erkennen. Die gute Laune regierte!
Impressionen Highfield Freitag 2019 Foto Jörg SeicheAls ich an der Blue Stage ankam, sah ich erst einmal nichts, denn ein großes Banner versperrte den Blick auf die Bühne. Als der erste Ton dann aber gespielt war, fiel das Tuch und die Indierocker von Von Wegen Lisbeth kamen zum Vorschein. Los ging es mit „Wieso“, wo auch ein Kinderglockenspiel zum Einsatz kam. Es war regelrecht voll vor der Bühne und aus allen Kehlen wurde jede Textzeile mitgesungen – so auch bei „Meine Kneipe“. Keyboarder Robert haute in die Tasten oder drehte an kleinen Knöpfchen rum und Sänger Matthias begrüßte die Menge mit den Worten: „Guten Abend Highfield – wir sind Von Wegen Lisbeth aus Berlin.“ Nun wusste auch der letzte Zuschauer Bescheid, wer da für sie aufspielte. Und so ging es mit „Westkreuz“ und „Lisa“ weiter. Die Fans tanzten ausgelassen, auch wenn es eng war in der Menge. Aber mit guter Laune geht alles.
Vor der Green Stage war es nun auch schon richtig voll und das hatte einen guten Grund – Feine Sahne Fischfilet waren nun an der Reihe, für Stimmung zu sorgen. Die Punkrocker aus Mecklenburg-Vorpommern stürmten schier nach vorn und verkündeten mit ihrem ersten Stück „Zurück in unserer Stadt“, dass sie wieder da seien – und wie. Die Bläser Jacobus und Max gaben ihr Bestes und sorgten für den coolen Rhythmus. Sänger Monchi lief auf der Stage hin und her und grinste in die Massen. „Das Ding reißen wir ab“, so seine Ankündigung und damit gab es für die Zuschauer kein Halten mehr – es wurde gesprungen, gepogt und getanzt, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Drummer Olaf war oben ohne und drosch nur so auf die Felle ein. Plötzlich flammten in der Menge Bengalos auf – das gehörte wohl aber zur Show, wie der Frontmann später verriet und sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Brandenburg bedankte. Ein großer Luftball flog über die Fans und diente als Spielzeug. Sie waren froh, spielen zu können und auch das Bananereiten über den Köpfen der Zuschauer funktionierte einigermaßen – das war ein großer Spaß! Grüner Rauch aus dem Bühnengraben hüllte die gesamte Szenerie ein. Stücke wie „Angst frisst Seele auf“ oder „Solange es brennt“, wo Monchis Cousin mit auf die Bühne kam, heizten ordentlich ein. Auch Feine Sahne Fischfilet forderte die Fans auf, zur Wahl zu gehen und gegen Rechts zu stimmen. Es wurde mit Freischnaps herumgespritzt und einfach nur gefeiert. Als der Frontmann dann auch noch im Bühnengraben mit den Fans der ersten Reihen abtobte, war der Höhepunkt erreicht. Coole Show, die Herren!
Auch bei Cro, der eine Mischung aus Pop und Rap bot, verhüllte zuerst ein Tuch die Bühne. Doch dann kam der Mann mit der Pandamaske hervor und startete mit „Sunny“. Die Hände im Publikum wippten im Takt der Musik über den Köpfen. Eine große Videoleinwand zeigte Bilder zu den Songs. Im Hintergrund waren einige Backgroundsängerinnen, die leider kaum zu sehen, aber dennoch zu „Bad Chick“ zu hören waren. „Was geht ab?“, so die begrüßende Frage an die Massen, der ein lautes „Hallo“ folgte. Jan Delay Disko No.1 Highfield 2019 Foto Jörg SeicheImmer wieder stand Cro auf einem Podest und war so auch in den hinteren Reihen zu sehen. Auf der Bühne war als Aufbau eine riesige Pandamaske zu sehen – das sah schon toll aus. Es wurde mitgeklatscht und einige Fans sangen auch lauthals mit. Was mich beeindruckte, war, dass Cro echt schnell reden kann – wie etwa bei „fkngrt“. Da hätte ich ganz schnell einen Knoten in der Zunge. Die Stimmung war super und so wurde es eine richtige Sause.
Den Headliner an Tag 1 gaben auf der Green Stage Jan Delay & Disko No. 1. Bei Vollmond betraten die Herren die Bühne und los ging es mit „Rave against the machine“. „Das wird geil“, da war sich Frontmann Jan sicher. Zwei große Fahnen wehten auf der Stage und alle sahen sie schick aus mit Anzug und Jan trug auch noch einen Hut. Die Arme waren schnell oben im Publikum und die Stimmung kochte schnell – dafür sorgten die coolen Rhythmen, die uns die Band hier darbot. Es folgte das Das Bo-Cover „Türlich, türlich“ – alle sangen mit und sprangen im Takt auf und ab. Und wer nicht sprang, tanzte ausgelassen. Die Backgroundsängerinnen waren hier gut zu sehen und ihr Gesang war zu „Klar“ ein Ohrenschmeichler. Auch Jan tanzte am vorderen Bühnenrand und verbreitete gute Laune. Und als „Balladenkönig“ sang er für uns alle dann auch „Wacken“, wo die Menge lauthals mitgrölte.
Diese guten Vibes trugen uns schließlich zum Auto, denn wir waren ausgelaugt und machten uns im Mondenschein auf den Heimweg. Das war ein guter Start – wenn es so weiterginge, konnte es nur gut werden.

Samstag
Nach einem ausgelassenen gemeinsamen Frühstück mit Freunden kamen wir gerade rechtzeitig auf dem Festivalgelände an, um Talco auf der Green Stage aufzuwarten. Die italienischen Ska-Punker hatten neben den Gitarren und den Drums ein Saxophon und eine Trompete zu bieten und diese Mischung sorgte für coole Rhythmen, die zum Mitwippen und Tanzen anregten. Die gute Laune war fast greifbar und vor der Bühne ging es genauso ab, wie darauf. Der mehrstimmige Gesang kam gut an. Das Motto schien hier: Ska am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen! Die Bläser Rizia und Tuscia marschierten im Gleichschritt auf der Bühne umher und der Rest der Formation heizte ordentlich ein. Und bei „Tortuga“ brüllten alle Anwesenden die Textzeile „Samba ole“ mit – coole Nummer!
Die Monsters of Liedermaching gaben sich im Anschluss auf der Blue Stage die Ehre. Alle saßen sie im Halbkreis vor ihren Mikrofonen und legten mit „Tod in der Nordsee“ los. Die Fans sangen vorher schon los, was mit den Worten „Oh, ihr seid süß“ bekundet wurde. Alle grinsten sie und nacheinander sangen sie einen Song. Im Publikum wurde mitgeklatscht und auch mitgesungen. Zwei der Herren knieten sich hiernach an den vorderen Bühnenrand und stellten so bildlich „Die Zwerge“ dar. Die Texte waren sehr unterhaltsam und das sorgte für Lacher und extrem gute Laune. Nicht nur die Sänger wechselten, auch derjenige, der zur Gitarre griff, wechselte von Lied zu Lied. Außerdem bewies einer der Herren, dass er die „Nasenflöte“ beherrschte – er spielte tatsächlich zwei Blockflöten mit der Nase. „Es ist schön, wieder hier zu sein“. Das „Punkermädchen“ durfte im Set nicht fehlen und hiernach luden die Musiker dazu ein, doch seinen Pfand für Viva con Agua zu spenden. Dafür gab es für die Menge zu „Trink mit mir“ Freibier – verteilt von der Band im Bühnengraben. Gefolgt wurde das Sauflieder-Schmettern noch mit „Ohne Pfeffi, ohne mich“ – übers Trinken singen macht wohl besonders Spaß.
Die Green Stage hatte nun eine Überraschung für mich in petto. Ein großes Banner mit einer Katze zeigte an, dass es Zeit für Skindred aus Großbritannien war. Als Intro konnte zu AC/DC’s Klassiker „Thunderstruck“ abgerockt werden. Dem folgten Sounds aus Star Wars und dann brach der Beat ab und es erklang eine Mischung aus Reggae und Metal – das nenne ich mal echtes Crossover. Und was für eins. Frontmann Benji war so dermaßen präsent und sprang nur so auf der Stage umher – Wahnsinn! Immer wieder heizte er auf dem Bühnensteg ein und sorgte für beste Partylaune.„This is a celebration of our life on this fucking planet.“An seinem Mikrofon wehte eine britische Fahne und sein Outfit mit den vielen Nieten und der Sonnenbrille war ein Hingucker. Er war eine richtige Rampensau und machte Spaß. Das Mitsingspielchen bei „Rat race“ funktionierte super und auch sonst sprangen die Zuschauer im Takt mit. Der Bass groovte gut und Moshpit und Stagedive waren angesagt. „If you're happy and you know it…“ – die Arme waren überall oben und immer wieder sorgten kurze Soundschnippsel anderer bekannter Songs für einen Überraschungseffekt und geile Stimmung. Am irrsten war dann, als „Out of Space“ von The Prodigy erklang und Benji meinte: „They are maybe gone but not forgotten.“ Oh Mann, was hatte ich da für eine Gänsehaut! Und am meisten Spaß machte der „Helicopter“ – hier sollten alle im Publikum ihr Shirt ausziehen und es über dem Kopf wirbeln. Ein geiler Anblick! Diese Band hat mich richtig geflasht und ich habe sie bestimmt nicht zum letzten Mal live gesehen. Die Herren luden schon zu den Liveterminen im Dezember ein – vielleicht klappt es ja.
Mit OK Kid ging es schließlich weiter im Programm. Auf der Bühne waren lauter Silhouetten zu sehen und davor stand das Trio. Frontmann Jonas lief beim Singen hin und her oder er fiel auf die Knie, um mit viel Gefühl die Textzeilen darzubieten. Nach „Lügenhits“ begrüßte er die Menge mit den Worten: „Schönen guten Tag – Mensch ist das schön, wieder hier zu sein.“ Weil ein Bandmitglied fehlte, hatten sie einen Pappaufsteller von ihm an den Rand gestellt – so war er doch dabei. Jonas wechselte nach den Songs immer mal wieder die Mütze und sah so immer anders gerüstet aus für die Stücke – so auch zu „Bombay calling“. Die Menge ließ die Arme im Takt über den Köpfen wippen und ging immer mit.
Auch bei Danko Jones waren die Arme oben – wie etwa gleich zu Beginn bei „Fists up high“, wo Band und Fans die Fäuste in die Lüfte erhoben. Die Rock-Formation aus Toronto war gut aufgelegt und verausgabte sich vom ersten Ton an mächtig. Die Massen vor der Blue Stage klatschten im Takt mit und die Staubwolke war schon wieder ziemlich groß über ihnen, denn es wurde auch gut mitgetanzt. Danko brüllte die Texte nur so raus und die Fans grölten sie mit. Noch während des Gigs verkündeten sie, dass sie gern noch einmal hier am Störmthaler See spielen möchten, denn „we love playing Highfield“. Mit einem Hinweis auf die aktuelle CD wurde weiter gerockt und der Hinweis „We are crazy“ wurde mit viel Jubel aufgenommen. Hier beim Festival sind alle verrückt – da passte das doch blendend.
Von rockigen Klängen wechselten wir dann wieder zu Hip Hop mit Die Orsons auf der Blue Stage. Das Stuttgarter Quartett war lustig anzusehen in ihren bunten Outfits und allesamt sprangen sie auf der Bühne umher. Das Publikum ging im Rhythmus mit und die Arme wippten im Takt über den Köpfen. Auch die Texte wurden von den Fans mitgesungen, was den Jungs zu gefallen schien: „Ihr seid wunderschön!“ Nach einer „offiziellen Sprungaufforderung“ durch die Sänger sprangen alle Zuschauer mit ihnen zu „Papa Willi und der Zeitgeist“ um die Wette. Der Sound war hier ein wenig zu laut, zumindest der Bass dröhnte ganz schön. Einige andere technischen Probleme auf der Stage wurden schnellstens gelöst und schon ging es mit „Dear Mozart“ weiter. Hierbei wurde ein großer Schmetterling im Hintergrund aufgeblasen – das Logo des neuen Albums „Orsons Island“. Das bekannte Mitsingspiel durfte auch hier nicht fehlen – die Menge wurde dazu in die Sektoren rosa, blau und grün eingeteilt – mal nicht die übliche Mann-Frau-Aufteilung – das ist doch mal innovativ.
Die Herren von Enter Shikari, die nun die Green Stage bevölkerten, trugen alle graue Kleidung. Ihr Sound war aber alles andere als langweilig und grau. Frontmann Rou war gut drauf und tanzte zu „Stop the Clocks“ beim Singen wild über den Steg, der in die Zuschauermenge hineinragte. Auch die Gitarristen Chris und Rory kamen bei ihren Soli an den ganz vordersten Bühnenrand und ließen sich feiern. Der mehrstimmige Gesang klang super und die Menge feierte ihre Helden. Rou verkündete hierzu: „We use pitches and guitars to manipulate your emotions.” Der entstandene Moshpit war dann schon recht anständig groß. Diese Stimmung animierte den Sänger dann auch dazu, zu den Fans in den Bühnengraben zu kommen. Wieder zurück bei seinen Kollegen rollte er sich mal auf dem Bühnenboden herum, dann brüllte er die Texte nur so raus oder er growlte sogar oder aber er ging beim Singen in die Knie und sang mit viel Gefühl. Ich würde sagen, er ist eine echt Rampensau, der es echt genoss, für sein Publikum zu eskalieren. Songs wie „Rabble Rouser“ oder „Undercover agents“ kamen mehr als gut an. „Enter Shikari – wir kommen vom Planet Erde“ haben hier einen echt guten Job abgeliefert.
Dann brauchten wir aber erst einmal eine Verschnaufpause, also machten wir uns auf die Suche nach etwas Leckerem zum Essen. Das Angebot war reichhaltig und egal ob Fleischfresser oder nicht – für jeden war etwas dabei. Uns gefiel, dass sich alle Händler an das Gebot des Veranstalters hielten und Plastikbesteck oder Plastik-Strohhalme aus dem Sortiment gestrichen hatten – das macht ein grünes Festival aus. Beim Essen konnten wir in aller Ruhe die Massen beobachten – gab es doch reichlich Sitzplätze. Beim Platzhirsch von Jägermeister war der Andrang immer groß und Bands und DJs sorgten hier, abseits der Konzerte auf den großen Bühnen, für Stimmung.
Frisch gestärkt statteten wir schließlich Thees Uhlmann & Band einen Besuch ab. Das Bild hinter der Band sah aus wie eine Postkarte aus den Alpen. Das sorgte direkt für Urlaubsfeeling und die gute Laune des Sängers tat da ihr Übriges. Los ging es mit „Römer am Ende Roms“, bevor Thees einen „Song vom neuen Album“ anstimmte – „Fünf Jahre nicht gesungen“ kam aber gut an und so sprang der Funke schnell auf das Publikum über. Die Menge tanzte ausgelassen und genoss die Darbietung sichtlich. Der Frontmann war ganz verliebt in seine Fans und machte sich Sorgen um sie und so bat er alle Anwesenden, ihm doch nach dem Festival eine SMS zu senden, „wenn ihr sicher zu Hause angekommen seid“. Freimütig gab er auch seine Nummer heraus. Wie viele dieser Aufforderung nachgekommen sind, ist leider nicht überliefert. Passend zu diesem Thema wurde der Track „Die Toten auf dem Rücksitz“ angestimmt. Die Arme wippten bei den Fans wieder einmal im Takt mit auf und ab. Überhaupt war Thees recht schlagfertig und so verkündete er auch noch: „Die deutschen Beach Boys, das sind immer noch wir.“ Und so ging es weiter mit „Zugvögel“. Wir verzogen uns dann aber auch schon wieder, denn die Blue Stage rief mit dem nächsten Act.
Hier waren nun Bonez MC & Raf Camora angesagt. Die Bühne war wieder einmal verhüllt und nach einem Countdown fiel das Tuch und die beiden Hip Hop-Künstler konnten loslegen. Eine beleuchtete Treppe stand in der Mitte der Bühne und im Hintergrund liefen auf einer Leinwand Videos zu den Tracks mit. Vor der Stage war es richtig voll und alle sangen und tanzten sie mit. Los ging es mit „500 PS“ und der Gesang aus dem Publikum war fast so laut, wie der Sound, der aus den Boxen erklang. Der Live-Drummer gab alles und so war der Klang richtig fett. Nach „Palmen aus Plastik“ war es schon Zeit, ein Bild mit den Zuschauern zu machen. Ging es doch im folgenden Lied auch über die Handy-Kultur von heute. Der Reggae-Beat ging hier ins Tanzbein und so war überall Bewegung. Die Lichtshow war ebenfalls ansehnlich, als plötzlich Kollege Trettmann auf der Bühne erschien und mit den beiden Jungs mitsang – das Publikum tobte vor Freude. Am Ende des Gigs gab es noch ein Feuerwerk, was noch einmal für Begeisterungsstürme sorgte.
Auch vor der Green Stage war es voll, denn AnnenMayKantereit standen auf dem Plan. Und die Jungs gingen direkt mit „Marie“ in die Vollen. Die raue Stimmung von Frontmann Henning kam dabei super rüber und das Auditorium schien glücklich zu sein. Beim Singen hatte er die Augen geschlossen und legte alles Gefühl in die Darbietung. Der mehrstimmige Gesang beim Refrain von „Nur wegen dir“ war ebenfalls nicht zu verachten. Dann bewies der Sänger, dass er auch auf der Mundharmonika einen guten Eindruck machte und so wurde „Wohin du gehst“ angestimmt. Getanzt wurde auf und vor der Bühne, was die Party perfekt machte. Dazu passte dann der Track „Es geht mir gut“ – das konnte sicherlich jeder hier beim Highfield sagen. Als Gastmusiker kam nun für das Stück „Du bist anders“ ein Herr mit Trompete nach vorn – ich hab leider nicht mitbekommen, wer genau es war. Die Menge sang jede Textzeile laut mit, so auch bei „Schon krass“, wo Henning auch schon mal seine Mitmusiker ansang. Im Anschluss ließ auch er es sich nicht nehmen, alle dazu aufzufordern, zu den Wahlen zu gehen und dort doch bitte gegen Rechts zu stimmen. Ein Szenenapplaus hierfür war ihm sicher.
Der Headliner auf der Blue Stage war an diesem Samstag SDP aus Berlin. Vincent und Dag-Alexis verkündeten ihren jubelnden Fans zu Beginn: „Wir sind die bekannteste Unbekannte“. Auch hier war eine beleuchtete Treppe aufgebaut worden und das Duo stand kaum eine Sekunde still. Die Fans klatschen und sangen direkt mit bei „Übertreiba“. Dag-Alexis griff auch mal zur Gitarre und so wurde „Leider wieder da!“ zu einem runden Sounderlebnis. Die Lichtshow war bunt und erleuchtete eine Zuschauermenge, die bis hinten zu den Gastroständen reichte. Zu „Wenn ich groß bin“ flogen mit einem Mal aufgeblasene riesige Bälle oder Strandinseln über den Köpfen der Fans, die damit spielten. Und selbstverständlich wurden die Textzeilen nur so mitgebrüllt. Weitere Highlights waren „Zeit verschwenden“ und „Männer und Frauen“, wo die Menge nur so abging. Überall waren grinsende Gesichter zu sehen, während am Platzhirsch Feuer aus dem Geweih und Laserstrahlen aus der Nase schossen – das sah auch toll aus. Später wurde außerdem der Die Ärzte-Klassiker „Schrei aus Liebe“ gecovert und ganz am Ende der Show schossen Feuerwerkskörper vom Dach der Stage in die Lüfte – wow!
Das große Highlight des Tages war dann am Ende noch der Auftritt von Thirty Seconds to Mars. Frontmann Jared kam mit einem glitzernden Mantel bekleidet nach vorn und stimmte „Monolith“ an. In den Zuschauermassen waren viele Fahnen mit dem Bandlogo zu sehen – sie wurden wohl vorher an die Fans verteilt. Der Sound war fulminant und die Stimmung war ganz schnell am Höhepunkt. Es wurde mitgesungen und Luftschlangen flogen von der Bühne aus in die Menge. Drummer Shannon gab alles und gab so den Takt für „Up in the air“ an. Eine riesige LED-Wand hinter den Musikern zeigte tolle Bilder und Muster. Jared war gut drauf und tanzte mal vorn auf dem Bühnensteg und mal im Hintergrund bei seinem Kollegen an den Drums, während vorn die Gitarristen ihr Können zeigten. Seine Stimme war echt super. Die Fans sangen mit, wofür sie ein Herzchen vom Sänger bekamen – „we heart you“ war auch auf der LED-Wand zu lesen. „You crazy people“, so der Kommentar im Anschluss, als, nach einer Aufforderung der Band, zahlreiche Mädels auf die Schultern ihrer männlichen Begleiter gehoben wurden. Auch dem Appell nach einem Moshpit wurde Folge geleistet. Zu „This is war“ waren überall Fäuste in der Luft und aufgeblasene Bälle flogen umher. „Your energy is amazing – what are you drinking?“ Und dann wurde es für die Anhänger der Band richtig cool – einige von ihnen durften zu ihren Helden auf die Stage kommen und mit ihnen zu „Rescue me“ tanzen und feiern. Der Vollmond erhellte die Szenerie noch mehr und so wurde es richtig wild. Auch Jared schwang eine riesige Fahne bei „Do or die“ und forderte ein Handy-Lichtermeer ein. So beleuchtet konnte er „City of angels“ spielen. Shannon kam einmal nach vorn, als sein Kollege sich zurückgezogen hatte und sang für uns. Wieder wurden an die 100 Zuschauer auf die Bühne geholt und so wurde es eine abgefahrene gemeinsame Party – toll. Das vergessen die Ausgewählten nie wieder.
Wir machten uns aber auf den Heimweg und überließen es, den Fans, diesen Abend grandios zu Ende zu begehen. Es war abwechslungsreich und spannend und wir hatten einen tollen Tag. Was wohl der Sonntag noch alles bringen würde?

Sonntag
Wieder begannen wir recht entspannt in den Tag und so machten wir erst den Herren von Blackout Problems aus München unsere Aufwartung. Mit Alternative Rock in den Tag zu starten ist gar nicht so schlecht. Roter Rauch verhüllte die Musiker anfangs, doch dann war das Quartett gut zu sehen und mit „How are you doing“ ging es in die Vollen. Frontmann Mario kam zu den Fans herunter und sang inmitten der Menge. Die feierten ihn dafür und so war es vor der Blue Stage schnell ein kochender Hexenkessel. Zu „911“ gab es im Anschluss einen Circlepit, Stagediving und absolute Eskalation. Die Gitarristen Marcus und Moritz rockten, als gäbe es kein Morgen mehr. Drummer Michael, der im Stehen spielte, drosch nur so auf seine Felle ein, so dass der Beat richtig satt war. Die Arme waren oben und wurde „Limit“ zu einem Höhepunkt des Gigs. Die Energie war fast greifbar – Wahnsinn! Für noch mehr Klangelemente wurde auf der Bühne an kleinen Knöpfchen gedreht und in die Saiten gegriffen – eine tolle Mischung. So kurz nach Mittag war hier schon mächtig was los und viele wach – Respekt!
Die Sonne brannte heiß vom Himmel und viele Festivalgäste genossen dieses tolle Wetter am Strand des Störmthaler Sees, wo ja auch verschiedene DJs für guten Sound und Stimmung sorgten. Währenddessen hatten die Jungs von The Story So Far aus Kalifornien ihren Auftritt auf der Green Stage. Drummer Ryan passte sich der Strandstimmung an und spielte wild mit freiem Oberkörper. Sänger Parker hingegen stand die meiste Zeit nur still am Mikrofon – mit hinter dem Rücken verschränkten Armen. So bot er „Proper Dose“ und „Out of it“ dar. Die Hosen der Gitarristen waren sehr farbenfroh und passten zur guten Laune, die hier um sich griff. Vor der Bühne wurde zu den Pop-Punk-Klängen getanzt und es bildete sich sogar ein kleiner Circlepit. Weiter ging es dann mit „Quicksand“ oder „Things I can’t change“. In der Sonne war es uns dann aber zu warm und so suchten wir schnell ein schattiges Plätzchen.
Wer als nächstes die Blue Stage rockte, war schnell nachzulesen – in großen Lettern stand Schmutzki auf einem Banner im Hintergrund. Die Stuttgarter Punkrocker waren gut drauf und rockten mit „Backstage“ los. Der Staub wirbelte nur so über den Köpfen der Menge, als es im Moshpit wild wurde. „Es ist Sonntag und ihr seht immer noch gut aus“, so die Feststellung von Frontmann Beat. Zu „Hey du“ sang auch Drummer Flo mit, während Beat und Gitarrist Dany sich ein Mikrofon teilten. Es wurde mitgeklatscht und auch mitgesungen. Besonders viel Beifall gab es für die Aussage: „Wir hauen diese ganze braune Scheiße weg mit unserer guten Laune.“ „Bäm“ haute richtig rein und Fäuste wurden in den Himmel gereckt. Dany hatte richtig viel Freude an seinem Spiel und zog dabei immer wieder ihre Grimassen. Auch diese Band ließ es sich nicht nehmen, auf die kommenden Wahlen hinzuweisen. Ihr Beitrag hierzu war: „Die Mittelfinger zum Himmel – fick dich AFD!“ Im Anschluss sprangen Fans und Musiker gemeinsam im Takt zum Track „“Spackos forever“. Das machte Laune und passte zum tollen Wetter.
Mit Mayday Parade aus Florida blieb es rockig. Sänger Derek kam barfuß nach vorn und das Banner im Hintergrund verriet „Mayday Parade is an emotion.“ Er verkündete gut gelaunt: „Let’s Rock’n’Roll.“ Mit Bändern am Mikrofonständer wirbelte er umher und sprang beim Singen auf und ab. Die Fans taten es ihm gleich und feierten den Sound richtig ab. Die Gitarristen Jeremy, Alex und Brooks rockten gemeinsam ab und wechselten oft die Seiten. Bei „If you wanted a song written about you, all you had to do was ask” life der Frontmann immer wieder auf dem Bühnensteg ganz nach vorn und sang die ersten Reihen an. Dabei war er so wild, dass ihm immer wieder die Haare ins Gesicht hingen. „It’s good to be here in Germany“, so Derek gut gelaunt und schließlich verriet er, dass sie nun den „first song we ever wrote“ spielen wollten – gemeint war hier „Three Cheers for Five Years“. Die Spielfreude war auch hier den Musikern anzusehen und da hatten die Zuschauer doch gleich noch viel mehr Spaß an diesem Gig. Was wollten sie also mehr?!
Während die Sirenensounds von Yung Hurn über das Festivalgelände dröhnten, bummelten wir ein wenig bei den Verkaufsständen, um zu shoppen. Am Einlass war ein großes Spruchbanner aufgebaut – neben den Festival-Maskottchen – das jeden Tag einen neuen schlauen Sinnspruch zeigte. An diesem letzten Tag war hier eine Aufforderung zu lesen, doch bitte zu den Wahlen zu gehen. Das gefiel uns richtig gut – Daumen hoch dafür!
Die britische Rockformation Nothing but Thieves war auf der Green Stage an der Reihe und zeigte, was sie so drauf hatte. Vor der Bühne war es nun wieder richtig voll, denn viele Zuschauer wollten mitrocken. Sänger Conor sang mit geschlossenen Augen und beeindruckte mit seiner kraftvollen Stimme. Seine Gitarren-Kollegen Joe, Dom und Phil sprangen beim Spielen immer wieder auf und ab. Der mehrstimmige Gesang in den Refrains war super – wie etwa zu „Forever and evermore“ oder „Live like animals“. Auch Conor griff schließlich zur Gitarre und so rockten wirklich alle was das Zeug hielt. Es sollte ja schließlich auch ein „Rock-Set“ werden – gesagt, getan. Der „Wake up Call“ funktionierte auch bei den Fans – die verausgabten sich genauso wie ihre musikalischen Helden.
Auf der Blue Stage ging es hiernach wieder einmal mit Hip Hop weiter. Ufo361 aus Berlin war angereist, um mit seinen Fans eine tolle Zeit zu haben. Meeresgeräusche ertönten aus den Boxen und vermittelten, dass wir hier nicht an einem See, sondern eben an einem Meer oder Ozean stehen würden. Die Stimme des türkischstämmigen Künstlers war technisch immer leicht verändert oder verzerrt. Während er beim Singen von links nach rechts und zurück lief, schossen Nebelfontänen in den Himmel und Sirenen ertönten immer wieder. Die Menge tobte und tanzte zu den Beats ab. Im Hintergrund leuchtete das Symbol des Künstlers auf, als er einen Moshpit forderte. Dann schossen auch Flammen gen Himmel und es wurde „Beverly Hills“ dargeboten. Hierbei setzte leichter Regen ein und ein doppelter Regenbogen erstrahlte über dem Festivalgelände – echt schön!
Bei Frank Turner & The Sleeping Souls trugen alle Musiker ein Hemd, was schick aussah. Mit einem gut gelaunten „Guten Tag Highfield“ begrüßte der Brite sein Publikum. Die Arme waren schnell oben und so wurde mit „Get better“ losgerockt. Der Bassist war besonders wild und tobte nur so über die Bühne. Zu „1933“ kam neben den Gitarren beim Keyboarder auch eine Mundharmonika zum Einsatz, was beeindruckte. Frank selbst war wirklich gut drauf und feuerte die Zuschauer immer wieder an, was dazu führte, dass immer ausgelassener getanzt und gefeiert wurde. Mal stand der Sänger am vorderen Bühnenrand, dann stand er bei seinem Drummer und auch mal halb auf dem Schlagzeug drauf. Nach „Long live the Queen“ verriet er, dass dies hier an diesem Tag sein 2383. Gig sei. Das gab einen Extra-Applaus. Außerdem kündigte er eine Tournee an, was den Fans gefiel. „Moshing your fucking head out“ – das musste er nicht zweimal sagen – die Party wurde richtig wild mit Liedern wie „Blackout“ oder „The next storm“. Alles richtig gemacht Herr Turner!
Samy Deluxe lud im Anschluss auf der Blue Stage zu einer „SaMTV Unplugged Live“-Session ein. Der Rapper begrüßte alle Fans mit den Worten: „Herzlich Willkommen meine Damen und Herren hier beim Highfield zum MTV Unplugged.“ Mit vielen Musikern und Backgroundsängerinnen war er angereist und gemeinsam legten sie mit „Flagge hissen/Anker lichten“ los. Hinten hingen an einer Wand zahlreiche Bürolampen, die immer abwechselnd aufleuchteten. Die Arme im Publikum wippten wieder einmal im Takt auf und ab, was toll aussah. Auch er bewies, dass er als Rapper einiges drauf hatte, denn schnell reden konnte er wahrlich, was er mit „Poesiealbum“ eindrucksvoll zeigte. Der Sound war gut und es war echt mal spannend, Hip Hop-Songs von einem kleinen Orchester dargeboten zu bekommen. Nach „Dreist“ erzählte der Künstler noch einige Dinge – sein Mundwerk konnte einfach nicht stillstehen. Natürlich hatte er auch Gäste mit auf der Bühne, die für Begeisterung bei den Fans sorgten. Coole Show!
Dann kam auf der Green Stage eine Band an die Reihe, auf die wir gewartet hatten, hatten wir The Offspring doch noch nie live erleben dürfen. Das Intro erinnerte mich an Gypsy-Musik und dann tobten Frontmann Dexter und seine Kollegen schon nach vorn, um alles zu geben. Von Anfang an klatschten die Zuschauer zu „Americana“ im Takt mit und es bildeten sich gleich mehrere Moshpits – irre! „A dream is coming true“, so der beeindruckte Sänger. Die Fans brüllten jede Textzeile mit. Die Lichtshow sah wirklich toll aus und der mehrstimmige Gesang war ein Trommelfellschmeichler. Immer wieder liefen die Musiker auf dem Bühnensteg auf und ab und ließen sich von den Fans feiern. Es war richtig voll vor der Stage und so wurden die Tracks „All I want“, „Come out and play“ oder „Want you bad“ zu einem Fest. Gitarrist Noodles verkündete zufrieden: „We’re having a great fucking time.” Die Stimme von Dexter war immer noch so schön rotzig, wie noch vor einigen Jahren, was wir echt genossen. Ein Rollstuhlfahrer war so begeistert, dass er samt seinem Rollstuhl ein Stagedive wagte, was Dank der mitfeiernden Menge super funktionierte. Wir schauten uns den Rest der Show vom Riesenrad aus an und hatten so einen richtig guten Ausblick auf die Massen, die zu den Sounds der Kalifornier abtanzten. Auch die Balladen kamen gut an und selbstverständlich durften die Hits „Why don’t you get a job?“ und „Pretty fly (for a white guy)“ nicht fehlen. „Ihr seid alle so sexy“ , so Noodles. Es wurde lautstark mitgesungen und auch der Regen konnte die aufgeheizte Stimmung nicht abkühlen. Den Abschluss machte schließlich „Self Esteem“, der Hit, mit dem die Band international ihren Durchbruch feierte. Es war richtig genial und wir danke für diese Party!
Und schon war es Zeit, dem Headliner auf der Blue Stage beizuwohnen. Ich persönlich hatte mich sehr auf Fettes Brot gefreut, denn auch hier hatte ich noch nie das Live-Vergnügen. Mehrere Leuchtreklamen zeigten an, dass die Jungs aus Hamburg ihr neues Album „Lovestory“ mit im Gepäck hatten. Am vorderen Bühnenrand standen ein Tisch und zwei Stühle. Dann kamen Boris, Renz und Schiffmeister nach vorn. Boris setzte sich an den Tisch und bot „Ich liebe mich“ dar. Die Textzeile „I don’t give a fuck“ wurde von den Zuschauern lauthals mitgebrüllt. Die drei Herren hatten echt Spaß und liefen auf der Stage hin und her. Dabei grinsten sie über die gute Stimmung, die sich trotz des stark einsetzenden Regens hielt. „Schönen guten Abend“, so die knappe Begrüßung. Weiter ging es dann mit „Wackelige Angelegenheit“, wo Schiff eine Art „Ausdruckstanz“ zeigte. Im Regen wippten die Arme über den Köpfen der Leute und es wurde im Takt gesprungen. Die Band forderte schließlich „die nächste Eskalationsstufe“ ein und betitelte die Massen im Regen als „die härtesten Motherfucker des Festivals“. Mit „Erdbeben“ hatten wir alle unseren Spaß. Dann stimmten sie das Depeche Mode-Cover „I just can’t get enough“ an und freuten sich tierisch, weil es wohl „noch nie einen Moshpit dazu“ gegeben habe. Wirklich alle sangen die Zeilen mit.
Doch dann mussten die Jungs verkünden, dass der Gig wegen einer Sturmwarnung unterbrochen werden muss und das Gelände zu räumen sei. Alle sollten sich in Sicherheit bringen. Dies verlief erstaunlich entspannt und ohne Panik – ein großes Danke dafür an alle Festivalgäste. Wir suchten Schutz im Pressezelt und warteten dort ab, wie lang die Unterbrechung denn wohl andauern würde. Zuerst war von einer halben Stunde die Rede, doch letztendlich wurde es fast eine ganze Stunde.
Fettes Brot konnten hiernach ihren Auftritt noch zu Ende spielen und der Gig von Headliner Steve Aoki, der Ersatz für The Prodigy war, wurde zu einer späteren Spielzeit noch unter sternklarem Himmel abgehalten. Doch wir bekamen all das nicht mehr mit, denn weil wir am nächsten Tag wieder auf Arbeit antreten mussten, rief uns unser Bettchen. Wir haben uns echt geärgert – hätten wir das alles gern noch anschauen wollen. Aber auf das Wetter hat nun einmal niemand Einfluss. Es soll aber auf jeden Fall ein würdiger und fulminanter Abschluss für das Highfield Festival 2019 gewesen sein.

Wir hatten drei tolle Tage am Störmthaler See und haben tolle Musik live erleben dürfen. Ein Dank an dieser Stelle an die tolle Betreuung durch das Team des Veranstalters FKP Scorpio. Die Security war überall sehr tiefenentspannt und die Stimmung war immer gut und entspannt. Wir kommen gern auch 2020 wieder!

www.highfield.de

 

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