HOCICO - Leipzig - Bericht

Geschrieben von Knut Seltmann / Mirko Koch am . Veröffentlicht in Photoreports 2010

HOCICO auf "Tiempos De Furia"  Tour HOCICO auf " Tiempos De Furia"  Tour
 
Leipzig - Moritzbastei - 03.12.2010
 
Daß man HOCICO nicht so ausspricht wie man es schreibt, konnte man schon in der Konzertankündigung der Moritzbastei lernen.
Wie man allerdings das aktuelle Album "Tiempos de Furia" live darbieten würde und ob denn neue und alte Hits auf der dazugehörigen und noch bis zum 16.07.2011 laufenden, Tour harmonieren würden...?
Gab es doch bei den eingefleischten Fans zwiespältige Meinungen zur soundtechnischen Umsetzung der aktuellen Veröffentlichungen....
Ich wollte es selbst herausfinden. 
 

 

Copyright Fotos: Knut Seltmann


 
 
Konzerte von HOCICO ziehen in Leipzig traditionell ein großes Publikum an. Allerdings gab es gleich am darauffolgenden Samstag noch eine zweite Möglichkekeit die mexikanischen Electro-Rammböcke in der selben Location live zu erleben. Daher war die Veranstaltungstonne auch eher sehr gut gefüllt als ausverkauft. Diesen Umstand nahm ich aber als positiv auf. Jeder Konzertbesucher, der schon einen Abend in der ausverkauften Veranstaltungstonne verbracht hat, weiß warum.
Es sollte also erfreulicherweise doch etwas Platz zum tanzen bleiben. Und das ist wichtig, wenn dann erst Erk Aicrag und Racso Agroyam die Bühne entern würden.Formalin live in Leipzig
Zuerst betrat aber das Berliner Industrial-Electro-Duo FORMALIN die Bühne. Berlin City Industrial nennen Tominous (Sänger und Kopf) und Gabor (Drummer und Produzent) ihr musikalisches Genre. Und was da aus den Lautsprechern schallte war auch wirklich nicht von schlechten Eltern. Kurzzeitig erinnerte mich ihr Sound und auch ihr optisches Auftreten ein bisschen an Marilyn Manson - aber anders... härter... mehr cluborientiert und treibend. Auf jeden Fall hatten HOCICO bei der Wahl ihrer Anheizer einen guten Geschmack bewiesen.
Das Publikum teilte diesen Geschmack heute leider nicht. So wurde zwischen den Songs nur sehr zögerlich und zuweilen auch schon mal gar nicht applaudiert. Schade! Die Jungs haben alles gegeben und hätten mehr Interesse verdient. Sie beendeten ihr 30minütiges Set also ohne Begeisterungsstürme im Publikum ausgelöst zu haben. Zu groß war scheinbar das Verlangen der HOCICO-Fangemeinde nach ihren Helden. Hocico und Fans in Leipzig HOCICO ließen sich dann nicht lange feiern und starteten gegen 21Uhr ihre Show mit einem düsteren Intro, wie es nicht besser eine entscheidende Szene in einem Horrorfilm hätte untermalen können. Mit dem ersten Titel "Breathe me tonight" ließ man es dann aber doch etwas ruhiger, dafür aber noch bedrohlicher angehen. Die Vocals dieser, als B-Seite der "Dog eat Dog"-Single bekannten Nummer, wurden noch von einem überdimensional auf die Leinwand geworfenen Mund vorgetragen. Danach begab sich Racso, der Programmierer und Soundtüftler bei HOCICO, an seinen Arbeitsplatz. Seine Werkzeuge waren diverse Synthesizer und ein Notebook. Damit erledigte er seine einzige Aufgabe während der Show sehr präzise... Er legte den Soundteppich für den Vocalisten Erk aus.
 
Mastermind Erk betrat kurze Zeit später zu den stampfend harten Klängen von "Flesh to lacerate" die kleine Bühne. Nein, er betrat sie nicht - er stürmte sie! Und schnell war klar, daß diese für den gut gepanzerten Mexicaner zu klein sein würde. Wie ein Tornado fegte er unermüdlich über die Bühne und ließ dem Publikum keinen Atem. So stachelte man sich gegenseitig an. Erk ging an seine Grenzen und die Fans dankten es ihm mit noch mehr Euphorie.
In dieser Geschwindigkeit sollte das Konzert auch fortgesetzt werden. Schon bei Song Nummer drei "A Fatal Desire" vom 2008er Album "Memorias Atrás" wurde mir bewusst, wohin dieser Abend führen würde... Mit einem gepflegten Muskelkater im Tanzbein war zu rechnen, aber scheinbar wollten Erk und Racso ihrem Publikum heute unter allen Umständen das Gehirn herausblasen. Weiter ging es dann mit einem gekonnten Mix aus Klassikern und neuem Material. Dabei lag der Schwerpunkt natürlich auf den letzten beiden Alben. So durfte zum Beispiel der aktuelle Clubhit "Dog eat Dog" nicht fehlen.
In den beiden Zugabeblöcken wurden vorwiegend die Klassiker aufgefahren. Hier kam es mit dem mittlerweile 10 Jahre alten "Poltergeist" zum Höhepunkt des schweißtreibenden Abends.Erk - Hocico live
 
Visuelle Unterstützung bekam HOCICO lediglich von ein wenig Licht, viel Nebel und den immer wieder dazwischen aufblitzenden Videoprojektionen. Auf die zuletzt bei diversen Festivals eingesetzten Fernsehergeräte, mit Blechhelmen vermummte Tänzer und die Schwertkämpfe wartete man vergeblich. Dafür war die Bühne in der Moritzbastei wohl doch zu klein.
Für meine Begriffe haben sie solche Showeffekte aber auch gar nicht nötig. Zumindest dann nicht, wenn sie in einem relativ kleinen Club wie hier auftreten. So war die Show genau richtig. Rauf auf die Bühne, laut gemacht und voll auf die Zwölf beziehungsweise mitten rein ins Tanzbein. Nach über 1,5 Stunden Konzert und etlichen Tanzflächenkrachern, bei denen man soundtechnisch tatsächlich kaum zwischen neu und alt unterscheiden konnte, ging ein denkwürdiger HOCICO-Abend zu Ende.
 
Erk kommentierte die beiden Leipzig-Shows gegenüber HELL-ZONE wie folgt:
"Leipzig is our home in Germany, both shows were really wild and for the first time in a long time, we got tired before the audience did... they have an Amazing energy."
Ein schönes Kompliment für das Leipziger Publikum! HOCICO haben es also nach fast 18jähriger gemeinschaftlicher Kreativität immer noch drauf und sichtlich Spaß daran.
Also weiter so und schaut mal wieder vorbei! Ich freu mich schon drauf.
Setlist:
Hocico - Tiempos de Furia Tour 2010
Leipzig 03.12.2010 1. Breathe me tonight
2. Flesh to lacerate
3. A Fatal Desire
4. Where Words Fail, Hate Speaks
5. Dog Eat Dog
6. About A Dead
7. Bite me!
8. Spirals of Time
9. Altered States
10. Untold Blasphemies
11. Twist the Thorn
12. Tiempos de Furia Encore:
1. Forgotten Tears
2. Poltergeist Second Encore:
1. Escape the Spell
2. Bloodshed
 
 
   

 

... Galerie mit den Konzertfotos >>>

 

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Fotos: Falk Scheuring

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